Da es seit Tagen schneit habe ich gedacht, ist es an der Zeit, etwas über diese weiße Winterwelt zu schreiben. Schließlich hört der Winter einfach nicht auf, alles in seinen funkelnden Mantel zu hüllen und damit einen wunderschönen Glanz zu verbreiten. Noch ein bisschen Sonne dazu und die Kälte macht einem fast gar nichts mehr aus.

Doch was wäre ein Blogbeitrag ohne Bild? Genau, nichts. Da es aber in meiner unmittelbaren Wohn- und Arbeitsumgebung keine wirklich schönen Motive gibt, hab ich die Bilder von meinem letzten Winterurlaub an der Ostsee rausgesucht und war augenblicklich begeistert von dem wunderbaren Kontrast zwischen dem beigen Sand, dem dunkelblauen Wasser und dem strahlenden Schnee. Könnt ihr sehen was ich meine? Diese drei Farben harmonieren einfach (#nofilter). Und mit den Bildern kommen auch die Erinnerung an eine kleine Ferienwohnung und stundenlange Spaziergänge am Meer in mein Gedächtnis zurück. Kälte, die einem bis in die Knochen wandert und der Geruch von Salz überall in der Luft. Außergewöhnlich.

Und weil ich schon dabei bin, in Erinnerungen zu schwelgen, muss ich euch diese eine Geschichte erzählen. Ein kleines Mädchen, vielleicht sieben oder acht Jahre alt, spielte im Schnee. Tollte rum, bekleidet mit einem dieser Ganzkörper Schneeanzügen, durch den einem die Kälte nichts anhaben kann. Sie hatte etwas Brot dabei und lockte damit unzählige Möven an, nur um sie dann mit ausgebreiteten Armen, lachend und kreischend wieder zu vertreiben.  Doch mit der Zeit wurde ihr das langweilig und sie ging weiter den Strand entlang, ganz in Gedanken versunken bis zu einer Seebrücke und dann weiter bis zu ihrem Ende. Auf einer Bank sitzend schaute sie den ewigen Bewegungen des Meeres zu; Wellen, die sich erst aufbäumten, nur um gleich darauf in sich zusammen zu fallen – alles umgeben von einem allgegenwertigen Rauschen und der Wirkung des tiefen, machtvollen Blau.

Sie merkte gar nicht wie die Sonne langsam anfing sich dem Horizont zu nähern, der Tag seinem Ende entgegen ging und es vereinzelt anfing zu schneien. Erst als sich eine Schneeflocke direkt auf ihre Nase setzte, guckte sie erstaunt nach oben und erblickte über sich unzählige weiße Punkte auf schwarzen Grund. Würden sie sich nicht bewegen, könnte man meinen es seien Sterne, doch tatsächlich war es etwas viel Schöneres. Winzige Kristalle, die alles zum Glitzern brachten und durch ihr langsames und gleichmäßiges Fallen eine beruhigende Wirkung auf das Mädchen hatten. Vermutlich hätte sie sich Sorgen machen sollen, dass es schon so spät war und dass es noch kälter werden würde,  doch all das war wie weggefegt.

Sie trat an den Rand der Seebrücke und lehnte sich über die alte hölzerne Brüstung, um sehen zu können, wie die Schneeflocken ganz sachte auf der Meeresoberfläche aufsetzten, einen Momente darauf schwammen und dann Teil des großen Ganzen wurden. Wo sie wohl hingingen, fragte sich das Mädchen und wo sie herkamen. Gab es in den Wolken riesige Paläste aus Kristall, die zersplitterten wenn es zu kalt wurde und dann zu Boden rieselten? Und wenn ja, gab es auf dem Meeresgrund, dann riesige Scherbenhaufen oder setzte jemand die Bruchstücke wieder zusammen?

Plötzlich fühlte sie sich unglaublich einsam. Alles, was sie umgab, war tot. Und kalt. Und grenzenlos. Sie fühlte sich verloren, wie die Schneeflocken, die ziellos herumtrieben und nicht wussten, wo sie herkamen oder hinwollten. Betrübt setzte sie sich wieder auf die Bank und starrte in Leere. Bis sie das leise Geräusch von Flügelschlägen neben sich ausmachte und aufblickte. Ein Möve hatte sich neben sie auf die Bank gesetzt und schaut sie jetzt neugierig, ja sogar durchdringend an. Und sie hüpfte herunter und flog ein kleines Stück vorwärts, nur um dann wieder stehen zu bleiben und zurück zu dem Mädchen zu blicken. Die Möve machte eine fast auffordernde Kopfbewegung und das Mädchen konnte nicht anders, als ihr zu folgen…

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Fast gehen die Könige der Lüfte in dem Weiß unter.
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